Websites und Webdesign versinkt im Einheitsbrei

Wenn alle Websites gleich aussehen: Warum KI-Design ein Problem hat

Letzte Woche rief mich meine Nachbarin an. Sie betreibt ein Kosmetik­studio. Ich hatte ihr vor einiger Zeit eine Website angeboten. Sie hatte sich damals für ein KI-Tool entschieden – schneller, günstiger, monatliches Abo.

Ich dachte mir schon damals: Abo-Falle. Jetzt wollte sie meine Meinung zur fertigen Seite. Ihre Worte: „Das sieht aus wie eine Franchise-Kette. Das bin nicht ich.“Sie hatte Recht. Und sie ist nicht allein.

Das Problem heißt „AI Slop“

In der Branche hat sich ein Begriff etabliert: AI Slop. Er beschreibt generische, massen­produzierte Websites, die von KI-Tools erstellt werden und alle identisch aussehen.

Ki-generiertes Bild eines Regals, das lauter gleiche Produkte anzeigtThis image was artificially generated or manipulated with AI (EU AI Act transparency disclosure).

Die Erkennungs­merkmale? Violetter Gradient. Inter als Schriftart. Vier Karten in einem Grid. Abgerundete Ecken überall. Ein Hero-Bereich mit generischem Stock-Foto. Drei Feature-Spalten. Ein Testimonial-Block. Preistabelle. Call-to-Action.

Öffnen Sie zehn verschiedene KI-generierte Websites. Sie werden das Muster sofort erkennen. Es ist nicht Zufall. Es ist Mathematik.

 

Warum KI das Mittelmaß reproduziert

KI-Modelle sind Vorhersage­maschinen. Sie wurden auf Millionen existierender Websites trainiert. Wenn Sie nach einer „modernen SaaS-Website“ fragen, liefern sie das statistisch wahrscheinlichste Ergebnis – den Durchschnitt aller Websites, die sie je gesehen haben.

Das Ergebnis ist per Definition die am wenigsten unterscheidbare Option. Ein Experte bei Managed Code beschreibt es treffend: „AI made generic design free, so generic design is now worth roughly nothing.“

KI-generiertes Design ist nicht schlecht. Es ist durchschnittlich. Und durchschnittlich ist in einer Welt, in der jeder Zugang zu denselben Tools hat, dasselbe wie unsichtbar.

Der Supermarkt-Test

Stellen Sie sich vor, Sie stehen im Supermarkt vor dem Shampooregal. Dreißig Produkte. Alle in identischen weißen Verpackungen. Gleiche Schriftart. Gleiche Anordnung. Gleiche Farben. Nur der Name unterscheidet sich.

Wie würden Sie entscheiden? Wahrscheinlich nach Preis. Oder gar nicht.

Genau das passiert gerade im Web. KI-generierte Websites sehen aus wie Farbvarianten desselben Templates. Ein Artikel bei Medium nennt es „visuelle Monokultur“ – egal ob die Anfrage für ein SaaS-Produkt, ein Keramik­studio, ein Portfolio oder eine Mode­marke war.

Verpackungs­designer wissen: Unterscheidbarkeit verkauft. Wenn Ihr Müsli aussieht wie alle anderen, kauft niemand Ihr Müsli. Wenn Ihre Website aussieht wie alle anderen, erinnert sich niemand an Ihre Marke.

Was das für Unternehmen bedeutet

Die Zahlen sind eindeutig. Laut einer Figma-Studie von 2026 verlassen 38 Prozent der Website-Besucher eine Seite wegen schlechtem Design und Inhalt. Nicht wegen langsamer Ladezeit. Wegen des Eindrucks, den die Seite macht.

Eine Analyse von Neil Patel zeigt: Menschlich geschriebener Content übertrifft KI-generierten Content in 94 Prozent der Fälle – gemessen an Engagement, Verweildauer und Conversion.

Marketing funktioniert über drei Säulen: Know, Like, Trust. Der Kunde muss Sie erkennen, mögen und Ihnen vertrauen. Eine generische KI-Website scheitert an allen dreien:

Sie scheitert am „Know“ – weil sie nicht aussieht wie Sie, sondern wie ein Template, das jeder für zehn Euro kaufen könnte.

Sie scheitert am „Like“ – weil sie aussieht wie alle anderen, ohne Persönlichkeit oder emotionalen Anker.

Sie scheitert am „Trust“ – weil Besucher unbewusst spüren, dass hier niemand Zeit oder Gedanken investiert hat.

Der Anruf, der alles zeigt

Zurück zu meiner Nachbarin. Sie hatte ein KI-Tool benutzt, weil es schnell und günstig war. Monatliches Abo, alles inklusive. Das Ergebnis war technisch einwandfrei. Responsive. Schnell. Funktional.

Aber es war nicht sie. Es war nicht ihr Kosmetik­studio. Es war ein generisches Template mit ihrem Logo drauf – identisch zu hunderten anderen Kosmetik­studios im Internet.

Als Experte sah ich es sofort. Aber auch sie – ohne technisches Wissen – spürte, dass etwas nicht stimmte. „Das könnte jedes Studio sein“, sagte sie. „Das bin nicht ich.“

Und jetzt zahlt sie jeden Monat für eine Website, die ihr nicht gehört und die aussieht wie alle anderen. Die Abo-Falle hat zugeschnappt.

Sie ist die erste, die mich danach fragt. Sie wird nicht die letzte sein.

Wann KI funktioniert – und wann nicht

KI-generierte Websites haben ihren Platz. Für schnelle Landingpages, interne Tools, MVPs oder Test­projekte ist „gut genug“ ein sinnvoller Kompromiss. Geschwindigkeit schlägt Perfektion, wenn das Produkt temporär ist.

Aber für Ihre Hauptseite? Ihre Produkt­seiten? Ihre „Über uns“-Seite? Dort, wo Vertrauen aufgebaut wird?

Dort ist generisch tödlich.

Die Experten von AXE-WEB empfehlen: Nutzen Sie KI für die Struktur – das Wireframe, die Spalten, die Logik. Aber lassen Sie einen Designer die Marke einarbeiten – Ihre Schriften, Ihre Abstände, Ihre visuellen Assets.

KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz für Gestaltung.

Was unterscheidet gutes Design?

Die Websites, die 2026 auffallen, treffen bewusste Entscheidungen, die KI-Tools nicht von selbst generieren.

Typografie: Eine eigene Schrift statt Inter transformiert eine generische Seite in eine erkennbare Marke.

Echte Bilder: Eigene Fotos statt Stock-Material. Menschen erkennen Authentizität.

Eigene Stimme: Copy, die klingt wie Sie – nicht wie ein statistischer Durchschnitt aller Marketing­texte im Internet.

Bewusste Bewegung: Animation, die einen Zweck hat, nicht nur weil sie möglich ist.

Marken wie Linear, Stripe und Vercel zeigen, was möglich ist. Ihre Websites sind sofort erkennbar. Nicht weil sie teurer sind, sondern weil jemand Entscheidungen getroffen hat.

Die Ironie der Effizienz

KI-Design ist effizient. Es spart Zeit und Geld in der Erstellung. Aber was kostet es langfristig?

Wettbewerbs­differenzierung, die Sie verlieren, weil Ihre Website aussieht wie jede andere. Kunden, die Sie vergessen, weil nichts hängenbleibt. Vertrauen, das Sie nicht aufbauen, weil die Seite generisch wirkt.

Die Website war günstig. Die Opportunitäts­kosten waren teuer.

Unser Ansatz

Wir nutzen KI – für Recherche, für Struktur, für Effizienz. Aber wir verlassen uns nicht darauf für das, was zählt: Ihre Marke.

Jede Website, die wir bauen, beginnt mit einer Frage: Was unterscheidet Sie von allen anderen? Die Antwort darauf kann keine KI liefern. Die muss von Ihnen kommen. Und von uns, die wir sie in Design übersetzen.

Das Ergebnis sind Websites, die nicht aussehen wie Templates. Die aussehen wie Sie.

Verwandte Artikel

WordPress vs. Webflow vs. KI: Die Debatte – Warum wir Werkzeuge nicht für Lösungen halten.

Wenn KI sich selbst baut: Anthropics Warnung – Die größeren Trends in der KI-Entwicklung.

KI-Chatbot für Support und FAQs – Wie wir KI sinnvoll einsetzen.

WordPress 7.0 „Armstrong“ – Die neue KI-Integration in WordPress.

Haben Sie Fragen?

Sie sind unsicher, ob Ihre Website unterscheidbar genug ist? Oder Sie möchten von einer generischen KI-Seite auf echtes Design umsteigen? Wir helfen Ihnen.

Kontaktieren Sie uns: kontakt@ip2c.de oder telefonisch unter 07141 309 8714.

Weitere Informationen zu unseren Design-Services finden Sie auf: https://ip2c.de

5.0 28 Bewertungen
Cookie Consent mit Real Cookie Banner