WordPress vs. Webflow vs. Ki Design
WordPress ist tot. Webflow ist die Zukunft. KI ersetzt uns alle. Wirklich?
Die Debatte auf Social Kanälen ist gerade unerträglich. Jeden Tag sehe ich Posts von Webflow-Evangelisten, die WordPress für tot erklären. Daneben KI-Enthusiasten, die behaupten, Claude Design und Google Stitch machen Webentwickler überflüssig. Und dazwischen WordPress-Puristen, die so tun, als wäre 2015.
Nach über zehn Jahren in der Webentwicklung und hunderten von Projekten sage ich: Alle liegen falsch. Und alle haben ein bisschen Recht. Zeit für einen ehrlichen Blick auf die Realität 2026.
Die Webflow-Fraktion: Schöne neue Welt mit Haken
Webflow ist fantastisch. Das sage ich ohne Ironie. Der visuelle Editor ist elegant, der generierte Code ist sauber, und für Design-fokussierte Projekte gibt es kaum Besseres. Marketing-Teams lieben es, weil sie ohne Entwickler arbeiten können.
Aber hier kommt die unbequeme Wahrheit: Webflow ist teuer. Richtig teuer.

Ein Workspace-Plan plus Site-Plan für jedes Projekt summiert sich schnell. Für Agenturen mit vielen Kunden wird das zum ernsthaften Kostenfaktor. Und der Kunde? Der zahlt monatlich, für immer. Bei WordPress zahlt er einmal für Entwicklung und dann nur Hosting – oft unter zehn Euro im Monat.
Dann die Abhängigkeit. Webflow ist eine Plattform. Wenn Webflow morgen die Preise verdoppelt oder den Dienst einstellt, haben Sie ein Problem. Bei WordPress nehmen Sie Ihre Datenbank und ziehen um. Bei Webflow exportieren Sie statisches HTML ohne CMS-Funktionalität. Viel Spaß damit.
Und die Lernkurve. Webflow-Befürworter sagen gerne „No Code“. Das stimmt technisch. Aber die Plattform zu beherrschen dauert Monate. Die Freiheit hat ihren Preis: Komplexität. Für eine einfache Unternehmenswebsite ist Webflow oft Overkill.
Das heißt nicht, dass Webflow schlecht ist. Für das richtige Projekt – designlastige Marketing-Sites, Portfolios, Landing Pages – ist es hervorragend. Aber als WordPress-Killer? Lächerlich.
Die WordPress-Verteidiger: Aufwachen, bitte
Jetzt zu meiner eigenen Zunft. WordPress-Entwickler, die so tun, als gäbe es keine Probleme, sind genauso nervig.
WordPress hat Probleme. Die Plugin-Hölle ist real. Zehn Plugins für Basis-Funktionalität, jedes lädt eigene Skripte, die Website wird langsam, Updates brechen Dinge, Sicherheitslücken entstehen. Das ist kein Feature, das ist technische Schuld.
Die Gutenberg-Entwicklung war ein Desaster. Jahrelang ein halbfertiger Editor, der weder Entwickler noch Redakteure glücklich machte. Erst 2026 fühlt sich Gutenberg endlich brauchbar an. Das hat gedauert.
Und Security? Ein frisch installiertes WordPress ohne Härtung ist ein offenes Scheunentor. Brute-Force-Angriffe, Plugin-Exploits, veraltete PHP-Versionen – das ist Alltag. Wer WordPress professionell betreibt, braucht Zeit für Wartung. Oder einen Dienstleister, der das übernimmt.
Aber hier ist der Punkt: All diese Probleme sind lösbar. Mit dem richtigen Setup, den richtigen Plugins, der richtigen Wartung läuft WordPress stabil, schnell und sicher. 43,6 Prozent aller Websites weltweit nutzen WordPress. Das ist kein Zufall. Das Ökosystem ist unschlagbar, die Flexibilität enorm, die Community riesig.
WordPress ist nicht tot. WordPress ist erwachsen geworden. Und wie bei allen Erwachsenen: Es braucht Pflege.
Die KI-Propheten: Der größte Hype seit Blockchain
Jetzt wird es interessant. Claude Design, Google Stitch, Lovable, v0, Figma Make – die KI-Tools überfluten den Markt. Und ja, sie sind beeindruckend.
Claude Design hat bei seinem Launch im April 2026 die Figma-Aktie um 7 Prozent einbrechen lassen. An einem Tag. Das zeigt, wie ernst der Markt die Disruption nimmt. Google Stitch generiert komplette App-Flows aus einem einzigen Prompt. Lovable baut funktionierende Full-Stack-Anwendungen mit Datenbank und Authentifizierung.
Die Demos sind spektakulär. Die Realität ist ernüchternder.
Ich habe alle diese Tools getestet. Was sie gut können: Prototypen. Wireframes. Erste Entwürfe. Landing Pages für die interne Präsentation. Was sie nicht können: Production-ready Code für echte Projekte.
Die generierten Websites sehen auf den ersten Blick professionell aus. Beim zweiten Blick fallen die Probleme auf: Accessibility ist mangelhaft – ARIA-Labels fehlen, Kontraste stimmen nicht, Keyboard-Navigation funktioniert nicht. SEO ist rudimentär – Schema-Markup, Meta-Strukturen, Sitemaps müssen manuell ergänzt werden. Performance ist unoptimiert – Core Web Vitals werden nicht berücksichtigt. Sicherheit ist ein Blindspot – bei Lovable wurden kürzlich alle Chat-Konversationen von „öffentlichen“ Projekten öffentlich zugänglich.
Und dann die fundamentale Frage: Was passiert, wenn etwas kaputt geht?
Bei einer klassisch entwickelten Website weiß ich, wo ich suchen muss. Bei KI-generiertem Code debugge ich eine Black Box. Der Code „funktioniert“, aber niemand versteht warum. Das ist kein Fundament für langfristige Projekte.
Die KI-Propheten sagen: „Das wird besser.“ Stimmt wahrscheinlich. Aber heute, im Mai 2026, sind diese Tools Assistenten, keine Ersatz. Sie beschleunigen Workflows, sie ersetzen sie nicht.
Die unbequeme Wahrheit: Es geht nicht um Tools
Hier ist, was die LinkedIn-Debatte konsequent ignoriert: Das Tool ist nicht das Problem. Das Problem ist die Strategie dahinter.
Ich habe Webflow-Websites gesehen, die wunderschön aussehen und null Conversions bringen. Ich habe WordPress-Websites gesehen, die technisch perfekt sind und niemanden interessieren. Ich habe KI-generierte Prototypen gesehen, die beeindruckend wirken und in der Praxis scheitern.
Und ich habe WordPress-Websites gesehen, die Unternehmen transformiert haben. Webflow-Projekte, die Marken auf ein neues Level gehoben haben. KI-Tools, die Entwicklungszeit halbiert haben.
Der Unterschied? Nicht das Tool. Die Menschen dahinter.
Eine Website ist kein Selbstzweck. Sie löst ein Geschäftsproblem. Sie generiert Leads, verkauft Produkte, informiert Kunden, baut Vertrauen auf. Das Tool ist Mittel zum Zweck. Wer das vergisst, verliert sich in technischen Debatten, die niemanden interessieren außer andere Entwickler.
Meine Position: Pragmatismus statt Dogma
Bei ip2C haben wir eine klare Haltung: Wir nutzen, was funktioniert. Für den Kunden, nicht für unsere Ego.
WordPress bleibt unser Hauptwerkzeug. Nicht aus Nostalgie, sondern aus Pragmatismus. Für die meisten Geschäftsanwendungen – Unternehmenswebsites, Blogs, Online-Shops, Mitgliederportale – ist WordPress nach wie vor die beste Wahl. Das Ökosystem, die Flexibilität, die Kostenstruktur, die Unabhängigkeit – das Gesamtpaket stimmt.
Aber wir sind nicht dogmatisch. Für ein Design-fokussiertes Portfolio würde ich Webflow empfehlen. Für eine schnelle Landing Page vielleicht Framer. Für einen Prototypen nutze ich Claude Design oder v0. Das richtige Tool für das richtige Problem.
Und KI? KI ist kein Feind, sondern Werkzeug. Wir nutzen KI täglich: Content-Erstellung beschleunigen, Code-Snippets generieren, Ideen brainstormen, Prozesse automatisieren. Unser FAQ-Chatbot läuft auf OpenAI. Unsere Performance-Optimierungen werden durch KI-Analyse unterstützt.
Der Unterschied: Wir nutzen KI als Verstärker, nicht als Ersatz. Die Strategie kommt von Menschen. Die Qualitätskontrolle kommt von Menschen. Die Kundenbeziehung kommt von Menschen. KI macht uns schneller, nicht überflüssig.
Was das für Sie bedeutet
Wenn Sie gerade überlegen, welche Plattform für Ihre Website die richtige ist, hier mein ehrlicher Rat:
Ignorieren Sie die Dogmatiker. Weder „WordPress ist tot“ noch „Webflow ist überteuert“ noch „KI ersetzt alles“ sind hilfreiche Aussagen. Die Wahrheit ist komplexer und hängt von Ihrer Situation ab.
Fragen Sie sich: Was will ich erreichen? Wer pflegt die Website langfristig? Welches Budget habe ich? Wie wichtig ist Design vs. Funktionalität? Brauche ich spezielle Features (Shop, Mitgliederbereich, Mehrsprachigkeit)?
Die Antworten darauf bestimmen das Tool, nicht umgekehrt.
Für die meisten kleinen und mittleren Unternehmen in Ludwigsburg und der Region ist WordPress nach wie vor die beste Wahl. Nicht weil es perfekt ist, sondern weil das Gesamtpaket stimmt: Flexibilität, Kosten, Unabhängigkeit, Ökosystem, lokale Expertise.
Für Design-Agenturen, die primär visuelle Projekte umsetzen, kann Webflow die bessere Wahl sein. Für Startups, die schnell iterieren müssen, vielleicht Framer oder Wix Studio.
Und für alle: KI-Tools werden Teil des Workflows, ob man will oder nicht. Die Frage ist nicht ob, sondern wie man sie sinnvoll einsetzt.
Die eigentliche Frage
Am Ende geht es nicht um WordPress vs. Webflow vs. KI. Es geht um eine fundamentalere Frage: Wollen Sie ein Werkzeug oder eine Lösung?
Werkzeuge können Sie überall kaufen. Webflow-Templates gibt es für 79 Dollar. WordPress-Themes für 59 Dollar. KI generiert Ihnen eine Website in 30 Sekunden.
Eine Lösung ist etwas anderes. Eine Lösung versteht Ihr Geschäft, Ihre Zielgruppe, Ihre Ziele. Eine Lösung funktioniert nicht nur technisch, sondern strategisch. Eine Lösung wächst mit Ihrem Unternehmen.
Das kann kein Tool alleine liefern. Das braucht Menschen, die verstehen, was sie tun. Und das wird auch 2030 noch so sein, egal welche KI-Tools dann existieren.
Lassen Sie uns reden
Sie haben ein Projekt und sind unsicher, welcher Weg der richtige ist? Wir beraten ehrlich – auch wenn die Antwort ist, dass Sie uns nicht brauchen.
Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Gespräch: info@ip2c.de oder telefonisch unter 07141 309 8714.
Und ja, Sie können unseren KI-Chatbot auf der Startseite testen. Der läuft auf WordPress. Mit OpenAI. Ohne Webflow. Funktioniert trotzdem.

Raphael Ehm
Ich bin Designer und Entwickler für UX & UI, Web, Print, Corporate Design und Touchscreen Anwendungen. Leidenschaft und ein hoher Anspruch sind zentrale Werte meiner Arbeit.
In diesem Blog finden Sie interessante Themen zu Digitalisierung / Firmeninterne News und besonderen technischen Neuheiten von Raphael Ehm und seinen digitalen Partnern.











